Im Zuge der doppelten Wesentlichkeitsanalyse für die vorliegende Berichterstattung haben wir folgende Kategorien von Interessenträgern identifiziert: Kapitalmarkt und Finanzmarktakteure, Kunden, Geschäftspartner, eigene Arbeitskräfte und Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette sowie Öffentlichkeit und Gesellschaft. Die Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit auf Interessenträger haben wir umfassend im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse geprüft. Diese Auswirkungen und auch unsere wesentlichen Risiken und Chancen haben unser Geschäftsmodell sowie die Wertschöpfungskette und die Entscheidungsfindungen nicht beeinflusst. Jedoch flossen die gewonnenen Erkenntnisse in die Diversity-Strategie (DE&I-Strategie), in die Überarbeitung des Maßnahmenkatalogs der Nachhaltigkeitsstrategie, in die nachhaltige Beschaffungsstrategie sowie in das Bechtle Circular-IT-Konzept ein.
Kunden, Kapitalgeber und Finanzmarktakteure
Aktionärinnen und Aktionäre
Dialogform: Die jährlich stattfindende Hauptversammlung ist aktienrechtlich verpflichtend und die größte Veranstaltung, bei der wir mit Bechtle Aktionär:innen in Dialog treten. Dort sind der Gesamtvorstand sowie der gesamte Aufsichtsrat vertreten. Daneben bieten wir jährlich zwei Formate für Privatanleger:innen in der Unternehmenszentrale an: den Aktionärstag und „Bechtle meets“ in Kooperation mit Finfluencer:innen.
Analyst:innen, Investor:innen & Bankhäuser
Dialogform: Derzeit berichten 16 Bankhäuser in Studien und aktuellen Kurzanalysen über Bechtle. Die Analyst:innen der Bankhäuser geben Bewertungen zum Unternehmen und zur Aktie ab. Meist lauten diese auf „Kaufen“, „Halten“ oder „Verkaufen“. Die Analyst:innen dienen somit als Multiplikatoren im Hinblick auf den Kapitalmarkt. Mit allen Häusern steht Bechtle in Kontakt, der üblicherweise durch persönliche Gespräche, Besuche von Analyst:innen am Unternehmenssitz sowie verschiedene Konferenzen und Roadshows intensiviert wird. Auf insgesamt 22 Roadshows und Investorenkonferenzen informierten wir 2025 institutionelle Investoren in Einzel- und Gruppengesprächen über die wirtschaftliche Situation, die Unternehmensstrategie und die Zukunftsaussichten unseres Unternehmens. Aus den Gesprächen und Diskussionen mit Analyst:innen und Investor:innen ergeben sich auch immer wieder Anregungen, unsere Unternehmensstrategie kritisch zu hinterfragen oder zu überdenken. Der Vorstandsvorsitzende ist entweder an den Gesprächen direkt beteiligt oder er wird darüber informiert.
Unternehmenskunden
Dialogform: Mit unseren Kunden treten wir, neben der persönlichen Betreuung durch unsere Account-Manager:innen, über Kundenmessen und ‑veranstaltungen in Kontakt. Um mehr über die Herausforderungen unserer Kunden zu erfahren und rechtzeitig auf Unzufriedenheit mit Bechtle als Dienstleister sowie aktuelle Bedarfe reagieren zu können, führen wir alle zwei Jahre eine Kundenzufriedenheitsbefragung durch. Über deren Ergebnisse informiert die Projektleitung alle Geschäftsführenden, Bereichsvorstände und den Gesamtvorstand. Sowohl der direkte Austausch in Einzelgesprächen als auch die Umfrage liefern wichtige Hinweise über die Tragfähigkeit unseres Geschäftsmodells und die Zukunftsfähigkeit unserer Strategie.
Geschäftspartner, insbesondere Hersteller und Distributoren
Dialogform: Wir unterhalten zu allen international bedeutenden Distributoren und Herstellern der IT-Branche, von denen wir Produkte beziehen, enge Verbindungen. Mit den für uns nach Umsatz wichtigsten Herstellern kooperieren wir in Form von Vendor Integrated Product Managern (VIPM). Die VIPMs arbeiten bei Bechtle und vertreten sowohl unsere Interessen als auch die Interessen des Herstellers.
Als Händler sind unsere Lieferanten ein essenzieller Baustein unseres Geschäftsmodells und unserer Strategie. Der Austausch mit ihnen ist für uns sehr bedeutend, da wir auf regulatorische Vorgaben, Marktveränderungen oder neue Technologien in beide Richtungen schnell reagieren müssen – sowohl hinsichtlich des Angebots als auch der Nachfrage. Unsere Produkte hängen unmittelbar von der Stärke des Portfolios und des Kooperationswillens unserer Hersteller ab; dies betrifft etwa Innovationsgrad, Kosten, Qualitätsstandards, Serviceleistungen, Lieferzeiten oder Einblicke in die Lieferkette. Aufgrund unseres großen Netzes an Partnern und der langjährigen, guten Zusammenarbeit erweist sich unser Geschäftsmodell als flexibel, um auf potenzielle Lieferengpässe oder andere Probleme mit Herstellern zu reagieren. Über den Branchenverband Bitkom sind wir auch extern mit der ITK-Branche vernetzt und treiben beispielsweise wichtige politische und technologische Themen über Arbeitsgruppen voran. Ergebnisse aus dem Austausch mit einem unserer wichtigsten Lieferanten flossen unter anderem in die 2024 verabschiedete DE&I-Strategie ein. Falls der Vorstand nicht selbst am Austausch teilnimmt, wird er über wichtige Erkenntnisse informiert.
Eigene Arbeitskräfte & Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette
Eigene Arbeitskräfte
Dialogform: Das wichtigste Instrument zur Einbindung der Interessen der eigenen Belegschaft ist die Zufriedenheitsbefragung für eigene Arbeitskräfte, die im September 2020 konzernweit eingeführt wurde und alle zwei Jahre stattfindet. Dieses Instrument gibt einen Einblick in die Zufriedenheit, das Arbeitsklima sowie in bestehende Probleme. Die Fragen sind so gestaltet, dass wir darüber hinaus ein Stimmungsbild über einzelne Abteilungen oder Einzelgesellschaften erhalten. Die letzte Befragung fand im September 2024 statt. Arbeitskräfte, Führungskräfte ebenso wie der Gesamtvorstand werden über die Ergebnisse informiert. Die Ergebnisse fließen unter anderem in die im Geschäftsjahr 2025 vom Vorstand verabschiedete HR-Strategie ein, in der fünf Fokusthemen (exzellenter Arbeitgeber, Mitarbeitendengewinnung, Zusammenarbeit, Digitalisierung und Internationalisierung) definiert sind.
Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette
Dialogform: Unsere Position innerhalb der Wertschöpfungskette erschwert uns die unmittelbare Kommunikation zu den Arbeitskräften in der Wertschöpfungskette, da uns in der Regel keine Informationen über Produktionsstätten, Rohstoffgewinnung oder Kontaktdaten vorliegen. Um die Standpunkte dieser Menschen dennoch etwa in der Nachhaltigkeitsrisikoanalyse oder im Lieferkettenmonitoring zu berücksichtigen, haben wir Recherchen von NGOs im Rahmen unserer Wesentlichkeitsanalyse ausgewertet. Dazu gehören Berichte von Electronics Watch, mit denen wir in einem Kundenprojekt auch direkt zusammenarbeiten, von Human Rights Watch, Weed und vom Business & Human Rights Resource Centre. Die Ergebnisse sind auch in die nachhaltige Beschaffungsstrategie sowie in die Überarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie eingeflossen. Der Vorstand wird über relevante Erkenntnisse informiert.
Gesellschaft & Öffentlichkeit (Medien & potenzielle Bewerber:innen, lokale Gemeinschaften & NGOs, Politik & Forschung)
Dialogform: Wir informieren Medien, potenzielle Bewerber:innen sowie die interessierte Öffentlichkeit über unsere Pressearbeit und unsere Kommunikationskanäle. Im Gegenzug erhalten wir über soziale Medien Feedback in Form von Kommentaren, Direktnachrichten und E-Mails über das Pressepostfach. Dieses werten wir aus und beziehen es in unsere weiteren Überlegungen ein. Über das Feedback informieren wir die entsprechenden Fachabteilungen, Gesellschaften beziehungsweise Geschäftsführenden sowie bei kritischen Themen den Vorstand. Des Weiteren tauschen wir uns bei Veranstaltungen, Terminen, Workshops oder Messen mit der lokalen Öffentlichkeit aus Medien, Politik, Zivilgesellschaft, Bildung und Forschung aus. Das Bechtle IT-Systemhaus Hamburg-Kiel arbeitet in einem Kundenprojekt mit der NGO Electronics Watch zusammen und teilt die Erkenntnisse über Arbeitskräfte entlang der Wertschöpfung sowie betroffene Gemeinschaften mit dem Corporate Sustainability Management. Hinsichtlich betroffener Gemeinschaften sind die so gewonnenen Erkenntnisse in die nachhaltige Beschaffungsstrategie sowie in die Überarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie eingeflossen.
Im Rahmen der Darstellung der Wesentlichkeitsanalyse (siehe Kapitel Management der Auswirkungen, Risiken und Chancen) beschreiben wir, wie wir die Interessenträger ermittelt sowie einbezogen haben und wie die Organisation, der Zweck ebenso wie die Ergebnisse von uns berücksichtigt wurden.