Geschäftsbericht 2025

Produkte und Absatzmärkte

Digitalisierung, AI und digitale Souveränität beherrschende Themen

Wie schon im Jahr 2024 war auch das Berichtsjahr geprägt von der Zurückhaltung breiter Kundengruppen hinsichtlich anstehender IT-Projekte. Insbesondere bei unseren mittelständischen Kunden in Deutschland und Frankreich und zumindest in den ersten neun Monaten auch bei den öffentlichen Auftraggebern in Deutschland war die Investitionsbereitschaft eher zurückhaltend. Hintergrund dieser Zurückhaltung im Mittelstand ist ausschließlich die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage und nicht etwa ein strukturelles Problem im IT-Markt. Im Gegenteil: Die Trends in der IT sind nach wie vor intakt. Digitalisierung ist immer noch einer der wichtigsten Treiber. Hohe Verfügbarkeiten, der Zugriff auf den Arbeitsplatz von wechselnden Orten sowie Flexibilität in der IT-Nutzung erfordern einen hohen Grad an Digitalisierung. Auch das Thema Sicherheit wird weiter an Relevanz gewinnen. 2023 trat eine Richtlinie in der EU in Kraft (NIS2), nach der zahlreiche Unternehmen in der EU verpflichtet werden, gewisse Sicherheitsstandards in ihrer IT zu gewährleisten. Ende 2025 wurde diese Richtlinie in Deutschland in nationales Recht umgesetzt. Auch die grundlegend neuen Möglichkeiten durch die Nutzung von Artificial Intelligence (AI) rückte im Berichtsjahr bei einigen unserer Kunden in den Fokus. Mit den Anforderungen durch AI wird das Betreiben von IT-Infrastrukturen noch komplexer, der Bedarf nach kompetenten Partnern entsprechend höher. Hier sehen wir mittel- und langfristig deutliche Impulse für unser Geschäft. Darüber hinaus ist das Thema digitale Souveränität angesichts der Unsicherheiten im transatlantischen Verhältnis im Berichtsjahr immer relevanter geworden. Bechtle als europäischer Player ist hier hervorragend positioniert. Auch die Entwicklung eines „Bechtle Index of Sovereignty“ schärft hier unser Profil weiter. Schließlich kann auch das von der Bundesregierung angekündigte und im Jahresverlauf 2025 verabschiedete Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität über 500 Mrd. € positive Impulse für unser Geschäft setzen – sowohl direkt durch Investitionen in IT und Digitalisierung selbst als auch indirekt durch eine Verbesserung der Stimmung bei unseren Kunden in Deutschland und dadurch durch eine Belebung der Nachfrage.

Wann sich diese beschriebenen positiven Effekte konkret zeigen, ist allerdings derzeit nicht seriös prognostizierbar. Bechtle erwartet, dass manche Kunden aufgrund der Preiserhöhungen ihre Investitionen in die erste Jahreshälfte vorziehen. Das Geschäft mit den öffentlichen Auftraggebern in Deutschland wie auch in anderen Ländermärkten sollte ganzjährig positiv zum Wachstum beitragen. Voraussetzungen für positive Szenarien sind und bleiben aber eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage sowie eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse in unserem wichtigen Ländermarkt Frankreich ebenso wie eine gute Lieferfähigkeit unserer Herstellerpartner. Offenkundig ist jedoch, dass die Notwendigkeit zur kontinuierlichen digitalen Innovation unumkehrbar ist. Bechtle rechnet daher mittel- und langfristig mit einer hohen Nachfrage nach zukunftsfähigen IT-Lösungen.

Wir werden in den nächsten Jahren im Servicegeschäft unser Angebot an speziellen IT-Lösungen erweitern. Dabei sehen wir Themen wie Security, Cloud Solutions, Networking Solutions, As-a-Service-Modelle, Mobility, Storage, Modern Workplace und AI als Markttreiber. Bechtle sieht sich in allen genannten Bereichen hervorragend aufgestellt, um Kunden jederzeit Lösungen anzubieten, die den höchsten aktuellen technologischen Maßstäben entsprechen. Wir planen insgesamt, den Anteil höhermargiger Services sowie den Anteil wiederkehrender Umsätze kontinuierlich auszubauen.

Insgesamt wird aus Sicht von Bechtle die Nachfrage nach individuellen Lösungen ebenso steigen wie der Bedarf an standardisierten Prozessen. Mit unserer Multichannel-Strategie einschließlich unserer digitalen Plattform bechtle.com bieten wir Kunden jeder Größe die Möglichkeit, sich schnell und einfach mit IT-Lösungen zu versorgen. Das wollen wir weiter kontinuierlich ausweiten. Im laufenden Jahr sollen die Angebote der Bechtle Clouds voll in die bechtle.com integriert werden. Auch der Ausbau unserer Service Factory mit ihren Managed-Services-Angeboten zur standardisierten Erbringung von IT-Services ist hier inbegriffen und wird uns helfen, Skaleneffekte zu heben. Der Betrieb unserer drei Bechtle Rechenzentren rundet unsere Plattformstrategie ab.

Digitalisierung ist auch interner Hebel

Wichtiger Teil der beschriebenen Plattformstrategie ist die weitere Digitalisierung bei Bechtle selbst. Seit 2017 bauen wir den Internetauftritt bechtle.com zielgerichtet zu einem digitalen Marktplatz aus. Hier präsentieren wir unseren Kunden die gesamte Bandbreite des Leistungs- und Lösungsportfolios von Bechtle auf einen Blick. Unabhängig vom ursprünglichen Anliegen des Kunden kann Bechtle jeden Kunden auf diese Weise ganzheitlich adressieren und ihm gezielt weiterführende Lösungen anbieten. Damit erhöhen wir gleichzeitig die Kundenzufriedenheit und ‑durchdringung. Auch die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg wird unter dem Leitgedanken „One Bechtle“ weiter vorangetrieben. Das ist ohne virtuelle Plattformen zur Zusammenarbeit kaum darstellbar. Indem wir den Digitalisierungsgrad erhöhen, können wir auch unsere eigenen Prozesse produktiver und effizienter gestalten. Hier spielt auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle. Gerade im Vertriebsinnendienst gibt es verschiedene Projekte innerhalb der Bechtle Gruppe, bei denen wir einfachere Arbeiten automatisiert erledigen wollen, damit sich unsere Mitarbeitenden stärker auf komplexe Aufgaben und Projekte konzentrieren können. So haben wir auch im Berichtsjahr stark investiert, zum Beispiel in die Automatisierung unserer Supply-Chain-Management-Prozesse, in KI-getriebene Vertriebsunterstützung und in eine Plattform, die neuen Herstellern eine einfache Integration in unser Angebotsportfolio ermöglicht. All das wird sich nicht nur positiv auf die Profitabilität auswirken – wir können so auch in Zukunft deutlich wachsen, ohne in gleicher Weise den Personalbestand erhöhen zu müssen. Angesichts des demografischen Faktors ist dies ein unschätzbarer Vorteil. Insgesamt sehen wir daher für die zukünftige erfolgreiche Aufstellung von Bechtle die Digitalisierung einer Vielzahl unserer internen Prozesse als unabdingbar an.

Ein wichtiger Schritt hin zu einer noch stärkeren Kundendurchdringung und höheren Kundenzufriedenheit ist die seit Januar 2025 neu ausgerichtete Vorstandsorganisation. Wir bündeln die Verantwortung für alle Vertriebswege in einem jeweiligen Ländermarkt in einer Hand. Ziel ist es, eine ganzheitliche Marktstrategie umzusetzen und Kunden bedarfsorientiert über alle Kanäle hinweg optimal zu bedienen. So verantwortet seit dem 1. Januar 2025 Michael Guschlbauer das Geschäft in Deutschland und Österreich. Konstantin Ebert ist für alle weiteren Ländermärkte verantwortlich, in denen Bechtle mit eigenen Gesellschaften aktiv ist; dies sind Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, die Niederlande, Polen, Portugal, die Schweiz, Spanien, Tschechien und Ungarn. Der konsequente Multichannel-Ansatz soll neben einer weiter gestärkten Kundenbindung und besseren Marktdurchdringung auch für positive wirtschaftliche Effekte durch mehr Effizienz in den Prozessen sorgen.

Bechtle als Treiber der Konsolidierung

Die schon seit Jahren andauernde Konsolidierung auf dem europäischen IT-Markt wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Vor allem kleinere Anbieter werden vermehrt Probleme haben, ihren Kunden Dienstleistungen in der geforderten Breite und Tiefe anzubieten und für die angebotenen Produkte wettbewerbsfähige Verfügbarkeiten sicherzustellen. Aufgrund der nun schon einige Jahre anhaltenden angespannten gesamtwirtschaftlichen Situation wird allgemein davon ausgegangen, dass die Konsolidierung weiter voranschreitet. Die hochgradige Fragmentierung des europäischen und insbesondere des deutschsprachigen IT-Markts hat sich aber nicht strukturell geändert. Das wird auch bei einer erwartbaren Verschärfung der Konsolidierung in den nächsten Jahren so bleiben. Die Bechtle Gruppe kann von dieser Entwicklung aufgrund ihrer Finanzstärke, ihrer führenden Wettbewerbsposition, ihrer dezentralen Aufstellung sowie ihrer sehr guten Reputation im M&A-Markt und bei allen relevanten Kundengruppen profitieren. Wir gehen somit davon aus, unseren Marktanteil auch zukünftig auszubauen.

Der Bechtle Konzern strebt auch in Zukunft an, seine Marktposition durch den Ausbau der bestehenden Gesellschaften und Geschäftsfelder sowie durch Akquisitionen zu verstärken. Unsere Akquisitionsstrategie sieht vor, Akquisitionen in allen 14 Ländern zu tätigen, in denen wir bereits heute vertreten sind. Dementsprechend werden wir unsere jeweilige Präsenz erhöhen und auch Systemintegrationsleistungen in Ländern anbieten, in denen wir bislang ausschließlich im Handelsgeschäft aktiv waren. Wir waren im Berichtsjahr in acht europäischen Ländern auch mit unserem Serviceportfolio vertreten, seit Januar 2026 mit der Akquisition in Portugal in neun. Wir erhöhen durch Akquisitionen und die Erweiterung unseres Portfolios nicht nur das Wachstumspotenzial in diesen Ländern – vielmehr stärken wir auch unsere bestehenden Aktivitäten in den jeweiligen Märkten ebenso wie die Kundenbindung. 2026 liegt der Fokus der M&A-Strategie auf Süd- und Osteuropa. Arrondierende Akquisitionen in Ländern, in denen wir bereits Servicegeschäft anbieten, bleiben darüber hinaus selbstverständlich weiterhin eine Option.

Wachstumsausrichtung (Illustration)

Bechtle ist gut aufgestellt, um von einer positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu profitieren.

Personal

Schärfung der Arbeitgebermarke

Enorm wichtig für unser Unternehmen werden auch künftig die Personalentwicklung, die Ausbildung sowie die Fort- und Weiterbildung sein. Mit einem etablierten Qualifizierungsangebot und der konsequenten Fortführung der internen Managementprogramme will Bechtle auch zukünftig in die Förderung von Nachwuchs- und Führungskräften investieren. Für 2026 plant der Vorstand – unabhängig von Akquisitionen – die Beschäftigtenzahl leicht zu erhöhen, jedoch unterproportional zum Geschäftsvolumen. Wie ausgeführt ermöglicht uns der steigende Grad der internen Digitalisierung, die Entwicklung der Mitarbeitendenzahl dauerhaft unterproportional zum Wachstum des Geschäftsvolumens zu halten. Allerdings hängt der Ausbau der Zahl der Mitarbeitenden eng zusammen mit der wirtschaftlichen Entwicklung und wird daher auch unterjährig eng verfolgt. Auch eine stabile Entwicklung oder ein leichter organischer Rückgang wie im Berichtsjahr sind möglich.

Die weitere Schärfung der Arbeitergebermarke Bechtle ist zentrales Ziel der Personalpolitik. Bechtle gelingt es nach wie vor, Menschen für sich zu interessieren und zu begeistern. Die Weiterentwicklung des Employer Branding kann nicht ausschließlich kostenneutral vonstattengehen. Die hier nötigen Investitionen sind allerdings zukunftsgerichtet und sichern nachhaltig den Erfolg von Bechtle in den kommenden Jahren.

Relevante Steuerungs- und Kenngrößen

Nachfolgend beschreiben wir die Prognose anhand der relevanten Steuerungs- und Kenngrößen, wobei Geschäftsvolumen, EBT und EBT-Marge bedeutsame finanzielle Leistungsindikatoren im Sinne von § 315 Abs. 1 Satz 3 HGB darstellen.

Geschäftsvolumen

Bechtle hat den Anspruch, jedes Jahr zu wachsen, und das stärker als der Markt. Das Geschäftsvolumen ist hierbei für Bechtle die wichtigste Kennzahl, um das operative Geschäft zu messen, zu steuern und zu planen. Nur das Geschäftsvolumen zeigt in einer Bruttobetrachtung der Erlöse ein realistisches Bild der Größe und der Entwicklung der Bechtle Gruppe und deren Relevanz aus Kunden- und Herstellersicht. Denn nur im Geschäftsvolumen werden auch die Softwareumsätze als Agent berücksichtigt, die wir nach IFRS 15 im Umsatz nicht in voller Höhe zeigen dürfen. Trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen im Berichtsjahr ist es Bechtle dank eines erfolgreichen Schlussspurts gelungen, um 8,1 % zuzulegen. Bechtle zeigt seit vielen Jahren nachhaltig hohes Wachstum. So haben wir unser Geschäftsvolumen seit 2015 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von rund 12 % sehr deutlich gesteigert und uns damit im Vergleich zum IT-Markt überdurchschnittlich entwickelt. Das erfolgreiche Wachstum war dabei über die Jahre vor allem organisch getrieben. Mit einer starken M&A-Aktivität im Berichtsjahr in Form von vier Akquisitionen lag der Anteil der zugekauften Unternehmen am Wachstum des Geschäftsvolumens bei 2,9 Prozentpunkten. Wir gehen davon aus, dass die Wachstumsraten für den Konzern in Zukunft wieder stärker organisch geprägt sein werden.

Nach wie vor besteht ein Investitionsstau bei vielen unserer Kunden. Ob und wann sich dieser auflösen wird, ist aber nicht prognostizierbar. Zumindest die öffentlichen Auftraggeber in Deutschland haben nach der Verabschiedung des Haushalts 2026 bereits im Dezember des Berichtsjahres die nötige Sicherheit und Planbarkeit, um auch in diesem Jahr von den bestehenden Rahmenverträgen Gebrauch zu machen beziehungsweise neue Ausschreibungen auf den Markt zu bringen. Eine große Unsicherheit resultiert zum Zeitpunkt der Berichterstellung aus den Preiserhöhungen vieler Hersteller. PCs sind zum Teil bereits deutlich im Preis gestiegen. Für Server und Storage sind Preiserhöhungen angekündigt. Es bleibt abzuwarten, ob die Kunden die höheren Preise akzeptieren oder Projekte lieber verschieben. Entsprechend kann die Entwicklung unseres Geschäftsvolumens betroffen sein. Auch mögliche Lieferschwierigkeiten werden immer wieder diskutiert. Ein solches Szenario könnte sich ebenso belastend auf unser Wachstum auswirken. Unverändert hängt die Entwicklung der Bechtle Gruppe von den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Insgesamt ist die Bandbreite möglicher Szenarien für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, die Branchenentwicklung und damit für die Entwicklung bei Bechtle sehr groß. Eine genaue Prognose zu formulieren ist daher sehr schwierig. Gleichwohl sehen wir in der Vielfalt möglicher Szenarien auch positive Signale für den IT-Markt und damit auch für Bechtle. Wir gehen daher durchaus mit Optimismus in das neue Geschäftsjahr. Wir rechnen für 2026 mit einem deutlichen Wachstum des Geschäftsvolumens in einer Bandbreite von 5 % bis 10 % (inklusive Akquisitionen).

Umsatz

Die Umsatzentwicklung unterliegt grundsätzlich den gleichen Rahmenparametern wie der Verlauf des Geschäftsvolumens. Sie lag in den letzten Jahren aufgrund der guten Entwicklung unseres Softwaregeschäfts regelmäßig unter den Wachstumsraten des Geschäftsvolumens. Auch im Berichtsjahr zeigte sich dieses Bild. Der Umsatz ist aufgrund der überdurchschnittlichen Entwicklung unseres Softwaregeschäfts um 1,6 % gewachsen und damit 6,5 Prozentpunkte weniger als das Geschäftsvolumen. Für 2026 rechnen wir damit, dass das Umsatzwachstum voraussichtlich aufgrund der weiterhin dynamischen Entwicklung unseres Softwaregeschäfts unterhalb der Entwicklung des Geschäftsvolumens bleiben wird. Wie stark sich das Softwaregeschäft konkret entwickeln wird, ist nicht prognostizierbar. Wir rechnen jedoch für den Umsatz mit einer Entwicklung in der Bandbreite von 0 % bis +5 %.

Kosten

Die Umsatzkosten sind in den letzten Jahren weitgehend parallel zum Umsatz gestiegen. In Jahren mit sehr deutlichen Wachstumsraten und damit einhergehend einem üblicherweise größeren Hardwareanteil sehen wir häufig einen überproportionalen Anstieg des Materialaufwands und damit Druck auf die Bruttomarge. Das können wir in Jahren mit niedrigeren Wachstumsraten und einem häufig höheren Anteil an Umsätzen mit Dienstleistungen und im Lösungsgeschäft sowie mit Software ausgleichen. So ähnlich war auch die Entwicklung im Berichtsjahr. Aufgrund einer hohen Nachfrage nach Services und Software und einer immer noch gedämpften Nachfrage nach Hardware ist der Materialaufwand weniger stark gestiegen als der Umsatz. Die Bruttomarge erhöhte sich daher nochmals von ohnehin schon hohen 18,1 % auf 18,6 %. Wenn im Jahr 2026 die Nachfrage nach größervolumigen Client-Projekten oder nach Servern und Storage wieder steigen sollte, könnte der Materialaufwand stärker anwachsen und damit Druck auf die Bruttomarge ausüben. Daher bleibt es unser Ziel, die Bruttomarge über 17,5 % zu halten. Wir planen auch für 2026 mit einer Umsatzkostenentwicklung in etwa proportional zum Umsatzwachstum.

Für den Bechtle Konzern als Dienstleistungsunternehmen sind die Personalkosten von zentraler Bedeutung. Innerhalb der Vertriebskosten stellen sie mit knapp 80 % und innerhalb der Verwaltungskosten mit über 60 % die größten Positionen dar. Eine flexible Gestaltung der Personalkosten ist angesichts des zunehmend beratungsintensiven Geschäftsmodells von Bechtle und der dezentralen, flächendeckenden Aufstellung der Lokationen sowie des Mangels an Fachkräften in einigen Bereichen nicht realisierbar. Zudem sind für Bechtle – auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels – die Bindung der Mitarbeitenden und die Verlässlichkeit als Arbeitgeber deutlich wichtiger als kurzfristige Kostenoptimierungen. Trotzdem wird es uns aufgrund der weiter zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung interner Prozesse einerseits und andererseits der Tatsache, dass wir Arbeitsprozesse effizienter und produktiver gestalten, immer besser gelingen, hohes Geschäftsvolumenwachstum mit einem nur unterproportionalen Personalanstieg darzustellen. Im Geschäftsjahr 2026 rechnen wir mit einem organischen Anstieg der Personalkosten, der in etwa auf dem Niveau der Inflation oder leicht darüber liegen sollte. Insgesamt geht der Vorstand für 2026 davon aus, dass die absoluten Aufwendungen für die beiden Funktionsbereiche Vertrieb und Verwaltung weiter steigen werden. Wir versuchen jedoch, ein überproportionales Wachstum der Personalkosten zu vermeiden und wollen auch die jeweiligen Quoten durch stärkeres Umsatzwachstum wieder senken. Ziel ist es, die Vertriebskostenquote unter 7,5 % und die Verwaltungskostenquote unter 6,5 % des Umsatzes zu halten.

Ergebnis

Unser Ziel ist profitables Wachstum. Grundsätzlich soll die Vorsteuermarge mindestens gehalten, im Idealfall erhöht werden. Die Ergebnisentwicklung war in den letzten Jahren unterschiedlich: Nach vielen Jahren kontinuierlichen Wachstums waren die letzten beiden Jahre von Rückgängen geprägt. Dennoch liegt die CAGR für das EBT seit dem Geschäftsjahr 2015 bei knapp 10 %. Im Berichtsjahr haben die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen das Geschäft von Bechtle und damit auch unsere Ergebnisentwicklung belastet. Vor allem in Frankreich fehlten Impulse von der Nachfrageseite. Aufgrund des mangelnden Topline-Wachstums war es nicht möglich, die hohe Kostenbasis zu kompensieren. Deshalb gingen sowohl das Ergebnis als auch die Marge gegenüber dem Vorjahr zurück. Die Kostenbasis wird voraussichtlich auch 2026 weiter steigen. Ziel ist es, den Anstieg der Kosten in etwa auf dem Niveau des Geschäftsvolumenwachstums zu halten. Auch Akquisitionen sind nicht planbar, wirken sich aber sowohl bei den Personalkosten als auch bei den Abschreibungen aus. Kontinuierliche Investitionen in unsere eigene IT sind ebenfalls unerlässlich, machen sich aber auch in den Abschreibungen bemerkbar. Maßgeblich für die Entwicklung im Jahr 2026 ist, dass das Geschäftsvolumenwachstum in etwa auf Vorjahresniveau bleibt, damit es in der Relation höher liegt als das Kostenwachstum. Die Bandbreite möglicher Szenarien ist wie ausgeführt sehr groß. Wir gehen zwar für 2026 grundsätzlich von einer positiven Entwicklung aus. Aufgrund der sehr hohen Unsicherheiten und der erwähnten notwendigen Investitionen rechnen wir dennoch mit einer Ergebnisentwicklung unterhalb des Geschäftsvolumens. Somit planen wir für 2026 insgesamt mit einer EBT-Entwicklung im Bereich von 0 % bis +5 %. Die Marge erwarten wir infolgedessen leicht rückläufig.

Die Bechtle AG plant, ihre Aktionärinnen und Aktionäre auch weiterhin mit einer attraktiven Dividende am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen. Die Dividendenpolitik orientiert sich dabei in erster Linie an der Ertrags- und Liquiditätssituation des Konzerns und sieht eine Ausschüttungsquote von etwa einem Drittel des Ergebnisses nach Steuern vor. Der aktuelle Dividendenvorschlag für das Geschäftsjahr 2025 von 0,70 € je Aktie entspricht einer Quote von 38,5 %. Sie liegt damit spürbar oberhalb der Linie unserer langjährigen Dividendenstrategie und auch über Vorjahr (35,9 %). Unser Ziel ist es, die Dividende zumindest stabil zu halten. Grundsätzliche Änderungen in der Dividendenpolitik des Unternehmens sind nicht geplant.

Vermögens- und Finanzlage

Liquidität

Die Bilanzstruktur des Bechtle Konzerns hat sich im Berichtsjahr nicht grundsätzlich verändert. Bechtle verfügt nach wie vor über eine hervorragende Liquiditätsausstattung und eine sehr solide Eigenkapitalquote. Die finanzielle Stärke ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Bechtle kontinuierlich aus eigener Kraft wachsen und flexibel auf die Anforderungen der Märkte reagieren kann. Die hohe Liquidität erweist sich entsprechend als Wettbewerbsvorteil. Aus Kundensicht sind zudem die Finanzlage und die Solidität des IT-Partners äußerst wichtig und damit ein wesentliches Entscheidungskriterium insbesondere bei der Vergabe von langfristigen Projekten. Dem Cashflow-Management bei Bechtle wird daher weiterhin eine besondere Bedeutung beigemessen. Zusätzlich zur freien Liquidität von 452,0 Mio. € ist angesichts der guten Bilanzrelationen das Verschuldungspotenzial von Bechtle erheblich. In Verbindung mit einer auch weiterhin positiven Entwicklung des operativen Cashflows verfügen wir damit über den nötigen Spielraum, um die gesteckten Ziele zu erreichen und das angestrebte überdurchschnittliche Wachstum – auch aus eigener Kraft – zu finanzieren. Wir gehen davon aus, dass wir auch 2026 und in den Folgejahren positive Zahlungsströme generieren werden.

Finanzierung

Die Finanzverbindlichkeiten bewegen sich bei Bechtle traditionell auf einem überschaubaren Niveau. Dies zeigt sich auch in der Nettoverschuldung. Sie lag im Berichtsjahr mit 20,6 Mio. € auf einem sehr guten Niveau. Damit ist Bechtle de facto nur minimal verschuldet. An den grundsätzlichen Relationen wird sich auch 2026 nichts wesentlich ändern – es sei denn, es erfolgen größere Akquisitionen. Kleinere Akquisitionen könnten 2026 aus den vorhandenen Liquiditätsbeständen und dem laufenden Cashflow finanziert werden. Grundsätzlich ist auch die Aufnahme von Fremdkapital aufgrund der sehr guten Bonität von Bechtle jederzeit möglich. Die Übernahme größerer Unternehmen könnte zu einem spürbaren Abfluss liquider Mittel führen. Wahrscheinlicher wäre in einem solchen Fall jedoch zumindest die teilweise Finanzierung durch Aufnahme von weiterem Fremdkapital. Möglich wäre auch ein Rückgriff auf Eigenkapitalfinanzierungsmöglichkeiten gemäß den gefassten Hauptversammlungsbeschlüssen. Bis Mai 2030 ist der Vorstand ermächtigt, das Grundkapital durch Ausgabe von bis zu 8,9 Millionen Aktien gegen Bar- oder Sacheinlagen zu erhöhen. Außerdem verfügt der Vorstand über eine Ermächtigung zur Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen oder anderen Instrumenten im Gesamtnennbetrag von 400 Mio. € (Bedingtes Kapital 2025). Die vorherige Option zur Begebung von Wandelschuldverschreibungen (Bedingtes Kapital 2021) hat Bechtle im Jahr 2023 bereits genutzt. Eine Wandlung ist bislang noch nicht erfolgt.

Sofern 2026 keine größeren Übernahmen erfolgen, wird sich die Bilanzstruktur im Vergleich zum Stichtag 31. Dezember 2025 voraussichtlich nicht wesentlich verändern.

Investitionen

Bechtle betreibt mit dem Handel von IT-Produkten und dem Angebot an IT-Dienstleistungen kein sonderlich anlageintensives Geschäft. Die Investitionsquote lag 2025 bei 25,6 % und damit über dem langjährigen Mittel. Allerdings war die Investitionssumme in Höhe von 121,0 Mio. € beeinflusst von dem Leasinggeschäft, das wir über unsere eigene Finanzierungsgesellschaft Bechtle Financial Services abwickeln und zum Teil als Investition ausweisen müssen. Die klassischen Investitionen beliefen sich auf rund 98 Mio. € und damit in etwa im Rahmen unserer Erwartungen. Auch im laufenden Jahr wird Bechtle weiter in die Zukunft des Unternehmens investieren. Größere Einzelinvestitionen betreffen insbesondere die Umstellung von Navision auf SAP. Darüber hinaus gibt es fortlaufend Investitionen in unsere Digitalisierung, die eigene IT oder auch unsere Clouds-Plattform sowie in Gebäude an unseren Standorten. Wir gehen davon aus, dass sich die klassischen Investitionen 2026 (ohne das Leasinggeschäft) auf 100 Mio. € bis 110 Mio. € belaufen werden.

Akquisitionen werden in allen Geschäftsfeldern auch in Zukunft integraler Bestandteil unserer Wachstumsstrategie bleiben.

Strategische Expansion (Illustration)

Auch künftig wollen wir unsere Marktposition durch organisches Wachstum sowie durch Akquisitionen stärken.