Die nachfolgend beschriebenen Risiken könnten nach Einschätzung des Managements nachteilige Auswirkungen auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage sowie die Reputation des Unternehmens und die Bewertung am Kapitalmarkt haben. Dennoch sind hier nicht alle Risiken dargestellt, denen der Bechtle Konzern möglicherweise ausgesetzt ist. Risiken, die derzeit noch nicht bekannt sind, oder Risiken, die aktuell als nicht wesentlich eingeschätzt werden, könnten die Geschäftsentwicklung des Unternehmens ebenfalls beeinträchtigen.
Das Berichtsjahr 2025 war ebenso wie das Vorjahr durch herausfordernde gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen geprägt, begleitet von großen geopolitischen Unsicherheiten. In diesem Umfeld haben sich teilweise Risiken konkretisiert und auch neue Risikoszenarien ergeben. Bei Bechtle waren nicht alle 14 Ländermärkte gleichermaßen betroffen. Insbesondere in Deutschland und Frankreich blieb es bei einer großen Zurückhaltung der mittelständischen Kunden. In anderen Ländern war Bechtle auch 2025 sehr erfolgreich. Insofern können wir feststellen, dass einige der gesamtwirtschaftlichen Risiken bei Bechtle nur teilweise oder lediglich abgeschwächt eingetreten sind. In diesem Risikobericht beschreiben wir nur die zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch bestehenden unmittelbaren Risiken für die Bechtle Gruppe.
Risikobewertung
Identifizierte Risiken werden anhand ihrer geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit und ihrer bei Eintritt erwarteten Schadenhöhe in Bezug auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage des Bechtle Konzerns bewertet und anschließend in einer Matrix als „sehr hoch“, „hoch“, „mittel“ oder „gering“ eingestuft. Die entsprechende Klassifizierung der Risiken lautet: A1 (sehr hohes Risiko), A (hohes Risiko), B (mittleres Risiko) und C (geringes Risiko). Auf dieser Basis können wir geeignete Maßnahmen zur Risikosteuerung einleiten. Die zur Messung herangezogenen Definitionen werden nachfolgend beschrieben. Der Bechtle Konzern ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Daher haben die zuvor festgelegten Wertgrenzen für die Schadenhöhe nicht mehr zur Größe des Konzerns gepasst. Um den Fokus auf die wesentlichen Risiken zu behalten, wurden die Wertgrenzen im Berichtsjahr wie nachfolgend dargestellt erhöht.
Eintrittswahrscheinlichkeit |
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Definition |
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% |
|---|---|---|---|---|
Hoch |
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Der Eintritt des Risikos ist wahrscheinlich und mit einer durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit von 80 % zu erwarten, ggf. einmal im Jahr. |
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60 – 100 |
Mittel |
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Der Eintritt des Risikos ist möglich und mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit von 35 % zu erwarten, ggf. einmal in fünf Jahren. |
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10 – 60 |
Gering |
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Der Eintritt des Risikos ist unwahrscheinlich und höchstens einmal in zehn Jahren zu erwarten. |
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0 – 10 |
Erwartete Schadenhöhe bei Eintritt des Risikos |
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Definition der Schadenhöhe |
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Wertgrenzen für den Konzern |
|---|---|---|---|---|
Hoch |
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Erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage |
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4 bis 20 Mio. € |
Mittel |
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Einige nachteilige Auswirkungen auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage |
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2 bis 4 Mio. € |
Gering |
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Schwache nachteilige Auswirkungen auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage |
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2 Mio. € |
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Erwartete Schadenhöhe |
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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
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Gering |
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Mittel |
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Hoch |
Eintrittswahrscheinlichkeit |
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Hoch |
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Mittleres Risiko |
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Hohes Risiko |
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Sehr hohes Risiko |
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Mittel |
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Geringes Risiko |
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Mittleres Risiko |
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Hohes Risiko |
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Gering |
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Geringes Risiko |
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Geringes Risiko |
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Mittleres Risiko |
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Die folgende Tabelle dient dem Gesamtüberblick über alle A1- und A-Risiken und zeigt deren Entwicklung im Geschäftsjahr 2025 auf.
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Eintrittswahr-scheinlichkeit |
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Veränderung zum Vorjahr |
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Schadenhöhe |
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Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Geschäftsmodellspezifische Risiken |
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Branchenkonjunktur – kurzfristig |
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Mittel |
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Gesenkt |
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Hoch |
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Konstant |
Handelskonflikt mit EU-Strafzöllen auf |
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Mittel |
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Neu |
|
Hoch |
|
Neu |
Boni – OEMS |
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Mittel |
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Konstant |
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Hoch |
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Konstant |
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Management Risiken |
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Transformation Bechtle Gruppe |
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Hoch |
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Konstant |
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Mittel |
|
Konstant |
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Operative Risiken |
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Profitabilität in Teilbereichen |
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Mittel |
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Gesenkt |
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Hoch |
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Konstant |
Rohertrag – Konzern |
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Mittel |
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Konstant |
|
Hoch |
|
Konstant |
Produktivität |
|
Mittel |
|
Konstant |
|
Hoch |
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Erhöht |
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IT-Risiken |
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Cybercrime – Konzern |
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Hoch |
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Konstant |
|
Hoch |
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Konstant |
Cybercrime – Kundendaten |
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Mittel |
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Neu |
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Hoch |
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Neu |
Abhängigkeit interne IT von Herstellern |
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Hoch |
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Konstant |
|
Hoch |
|
Konstant |
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Umfeldrisiken |
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Versicherungen |
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Mittel |
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Konstant |
|
Hoch |
|
Konstant |
Im Folgenden beschreiben wir insbesondere solche Risiken, die laut Risikomatrix nach der Bruttobewertung als hohe und sehr hohe Risiken klassifiziert sind. Im Einzelfall können aber auch niedriger klassifizierte Risiken Inhalt dieses Berichts sein.
Geschäftsmodellspezifische Risiken
Branchenkonjunktur
Die Investitionsbereitschaft unserer Kunden ist unter anderem von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den jeweiligen Ländermärkten, insbesondere in Europa, aber auch weltweit, abhängig. Auch das Vertrauen der Unternehmen in einen positiven Konjunkturverlauf ist ein wichtiger Faktor. Rund 56 % ihres Geschäftsvolumens erzielt die Bechtle Gruppe in Deutschland, etwa 44 % auf den weiteren europäischen Märkten. Vor diesem Hintergrund hat die Entwicklung der europäischen Wirtschaft insgesamt und der deutschen Wirtschaft im Besonderen einen entscheidenden Einfluss auf unser Unternehmenswachstum. Eine schwächere oder gar rückläufige Konjunktur kann entsprechende Risiken für die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage des Bechtle Konzerns mit sich bringen.
Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen standen im Berichtsjahr weiterhin unter dem Einfluss der Krisen weltweit sowie deren unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen. Die politischen Rahmenbedingungen, Handelskonflikte und kriegerische Auseinandersetzungen sowie damit einhergehende Unsicherheiten belasteten die Gesamtwirtschaft erheblich. Nach zwei Rezessionsjahren ist die deutsche Wirtschaft dennoch wieder leicht gewachsen. Der IT-Markt konnte sich in diesem Umfeld positiver entwickeln und verzeichnete ein Wachstum von 5,2 %. IT ist mittlerweile für alle Unternehmen und öffentlichen Auftraggeber ein essenzieller Faktor in der Wertschöpfung. IT-Ausgaben zu kürzen oder Investitionen aufzuschieben fällt daher grundsätzlich schwerer. Allerdings sind in Zeiten sehr hoher Unsicherheit, wie im Berichtsjahr, vor allem in der mittelständisch geprägten Industrie auch solche Tendenzen erkennbar. Wir werden sowohl die Auswirkungen der weltweiten Krisen als auch die gesamtgesellschaftlichen Unsicherheiten weiterhin genau beobachten. Eine längere Fortdauer der aktuellen Situation könnte zu einer Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage führen, von der auch der IT-Markt und somit Bechtle betroffen wären. Mittel- und langfristig gehen wir jedoch davon aus, dass sich Investitionen in IT schwer aufschieben lassen und daher der IT-Markt weiterhin eine gewisse Resilienz gegenüber der Gesamtwirtschaft zeigen sollte. Hier sollte vor allem auch die Nachfrage der öffentlichen Hand ein stabilisierender Faktor sein.
Kurzfristig schätzen wir die Wahrscheinlichkeit des Eintritts der Risiken aus Gesamtwirtschaft und Branchenkonjunktur als mittel ein. Es könnten erhebliche nachteilige Auswirkungen damit verbunden sein. Wir stufen dieses Risiko als hohes Risiko ein.
Das Unternehmenswachstum des Bechtle Konzerns wird auch von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beeinflusst.
Handelskonflikt
Das Risiko eines Handelskonflikts mit EU-Strafzöllen auf Produkte von US-Tech-Konzernen – mit der Folge von Preissteigerungen und Nachfragerückgang – erschien durch die Einigung mit der Europäischen Union zunächst eingedämmt. Aufgrund der grundsätzlich hohen Unsicherheit in Bezug auf die transatlantische Wirtschaftspolitik wird dieses Risiko dennoch als hoch eingeschätzt, mit einer mittleren Eintrittswahrscheinlichkeit und einer potenziell hohen Schadenshöhe.
Boni – OEMs
Die IT-Branche ist seit jeher von einem ständigen Wandel geprägt. Dies betrifft die technologische Entwicklung, aber damit einhergehend auch die Aufstellung und Ausrichtung wichtiger Beteiligter und Original Equipment Manufacturers (OEMs) auf dem IT-Markt. Derzeit führen insbesondere As-a-Service-Modelle und Cloud-Lösungen dazu, dass Hersteller ihre strategischen Prioritäten ändern und die Bonifizierung für Partner wie Bechtle in andere Bereiche verlagern. Im Umkehrschluss könnten dann bislang erfolgreiche Marktsegmente weniger attraktiv und profitabel sein. Zudem besteht das Risiko, durch die direkte Verbindung der Hersteller zum Kunden langfristig den Kunden zu verlieren.
Spezifische Plattformstrategien der Hersteller lassen sich darüber hinaus nicht immer mit automatisierten Arbeitsabläufen unsererseits kombinieren. Ergänzend stellen signifikante Preiserhöhungen der Hersteller, wie sie derzeit vor allem im Speichermarkt zu beobachten sind, aufgrund steigender Kosten ein hohes Risiko dar. Diese können, insbesondere bei langfristig laufenden Verträgen, nicht immer an Kunden weitergegeben werden. Falls doch, können steigende Preise die Nachfrage hemmen. Darüber hinaus besteht ein Risiko, dass es aufgrund aktuell begrenzter Produktionskapazitäten und der stark gestiegenen Nachfrage insbesondere im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren zu Lieferengpässen bei kritischen Komponenten kommen kann.
All das könnte auch Auswirkungen auf das Geschäft von Bechtle und dessen Profitabilität haben. Wir schätzen die Eintrittswahrscheinlichkeit als mittel ein und rechnen mit erheblichen Auswirkungen, sollte sich dieses Risiko materialisieren. Deshalb handelt es sich um ein hohes Risiko.
Managementrisiken
Transformation Bechtle Gruppe
Ein Markt, der sich dynamisch verändert, sowie eine Reihe von internen IT-Projekten mit dem Ziel sich zukunftsfähig aufzustellen, schaffen Zusatzaufgaben an vielen Stellen im Konzern. Dies könnte potenziell dazu führen, dass die Umsetzungsgeschwindigkeit bei notwendigen operativen oder strategischen Anpassungen verlangsamt wird.
Ein Risiko könnte darin bestehen, dass es Bechtle nicht gelingt, das Portfolio und die Leistungserbringung effizient auf neue Geschäftsfelder auszurichten. Dies könnte zu einem Profitabilitätsrisiko führen, insbesondere, wenn diese Anpassung mit einem hohen prozessualen Aufwand verbunden wäre. Mit seiner Kundennähe ist Bechtle sehr nah an den Bedürfnissen und damit auch der künftigen Nachfrage der Kunden. Insofern können wir solche Anpassungsprozesse normalerweise mit genügend Vorlauf parallel zum Tagesgeschäft umsetzen.
Auch die Geschwindigkeit spielt bei der Anpassung des Portfolios und der Adaption des Geschäftsmodells eine große Rolle. Trotz der Kundennähe besteht das Risiko, dass das Portfolio zumindest teilweise nicht mehr die Nachfrage abbildet. Auch könnte es bei einem langsameren Umsetzungstempo zu einem gewissen Stau kommen, der sich dann ebenfalls hemmend auf das Tagesgeschäft auswirken könnte.
Den Eintritt dieses Risikos erachten wir als sehr wahrscheinlich, die Schadenhöhe allerdings als mittel. Gleichwohl handelt es sich um ein hohes Risiko.
Operative Risiken
Profitabilität in Teilbereichen
Aufgrund der herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der abgeschwächten Nachfrage besteht in einzelnen Teilbereichen der Bechtle Gruppe die Gefahr, dass die Profitabilität stärker nachlässt. Nicht immer gelingt es, solche Effekte durch Effizienzgewinne zu kompensieren. Erneut wurde im Berichtsjahr deutlich, dass der Druck auf die Ergebnisse zunimmt, wenn das Geschäftsvolumen nicht ausreichend wächst. Kurzfristig ist es häufig schwierig, hier erfolgreich Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dieses Risiko wird als hoch eingeschätzt. Sein Eintritt ist wahrscheinlich und seine Auswirkungen wären hoch.
Rohertrag
Auch unabhängig von den momentanen Rahmenbedingungen besteht ein Risiko, dass die Kosten steigen und die Profitabilität darunter leidet. Hier spielen neben den Personalkosten weitere Kosten wie für Fuhrpark und Energie eine Rolle. Auch veränderte Geschäftsmodelle der Hersteller könnten wesentlich dazu beitragen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Risiken wird als mittel eingeschätzt, die Auswirkungen wären hoch, somit handelt es sich um hohes Risiko.
Produktivität
Aufgrund seiner hohen Kostenbasis ist es für Bechtle wesentlich, die Leistungen besonders effizient und produktiv zu erbringen. Das betrifft sowohl den Vertrieb als auch die Dienstleistung. Wir arbeiten kontinuierlich daran, Prozesse schlanker und effizienter zu gestalten. Derzeit gibt es mehrere Projekte, bei denen mithilfe Künstlicher Intelligenz die Effizienz im Vertriebsinnendienst wie auch bei der Leistungserbringung und dem Leistungsangebot gesteigert werden soll. Gleichwohl besteht immer das Risiko, dass Verbesserungen in der Effizienz verspätet einsetzen oder nicht den erwarteten Erfolg bringen, sodass letztlich doch die Produktivität leidet. Dies gilt umso mehr, wenn parallel eine Reihe großer strategischer Projekte vorangebracht werden, sodass dies zunächst einen negativen Einfluss auf operative Leistungsprozesse haben könnte. Dem wirken wir mit einer engmaschigen Projektsteuerung entgegen, die eine sorgfältige Projektplanung und stringentes Projektmanagement umfasst. Wir schätzen dennoch solche Risiken als hoch ein. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist zwar nur mittel, aber die Auswirkungen wären erheblich.
IT-Risiken
Der Einsatz von IT ist in jedem Unternehmen unumgänglich. Durch die weitgehende Digitalisierung sind bei Bechtle alle wesentlichen Geschäftsprozesse sehr eng mit IT-Systemen und ‑Anwendungen verknüpft. Mit dem Einsatz von IT ergeben sich verschiedene Risiken unter anderem für Shopsysteme, Auftragsabwicklung, Warenwirtschaft, Controlling, Finanzbuchhaltung sowie Collaboration- und Telefonieanwendungen. So könnte ein Verfügbarkeitsrisiko für einen reibungslosen Prozess von Anfrage und Auftrag bis Auslieferung und Faktura entstehen, wenn die Funktionsfähigkeit der dafür notwendigen IT-Systeme und ‑Anwendungen nicht mehr gewährleistet ist. Mögliche Ursachen könnten Ausfälle von Infrastrukturkomponenten, Energie- oder Telekommunikationsausfälle, Störungen oder Fehler bei Partnern oder durch Softwareanbieter sowie Bedienungsfehler sein.
Wir arbeiten kontinuierlich daran, innerhalb der internen IT die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass solche mit dem Betrieb von IT immanenten Risiken eingedämmt werden. Dazu gehören insbesondere permanente Investitionen in die Betriebssicherheit und Aktualität der Plattformen.
Cybercrime – Konzern
Ein wesentliches Risiko liegt in der Zunahme von Cyberkriminalität. Die weiterhin hochkritische Gesamtlage im Cyberumfeld birgt auch für Bechtle ein sehr hohes Risiko, Ziel externer Angriffe zu werden. Wahrscheinlichkeit und Ausmaß von dadurch entstehenden Schäden sind nur sehr schwer abzuschätzen. Mögliche Schwachstellen an eingesetzten Softwareprodukten könnten von Angreifern ausgenutzt werden. Durch das Eindringen Unbefugter in das IT-System könnte ein Vertraulichkeitsrisiko entstehen, oder die Systeme könnten nach einem Angriff nicht mehr reibungslos funktionieren. Darüber hinaus besteht das Risiko, Opfer einer Erpressung von Lösegeld zu werden.
Zur Vorbereitung auf etwaige Notfallszenarien müssen Krisenpläne ständig aktualisiert beziehungsweise für neue Szenarien entsprechend erstellt werden. Bechtle hat dazu eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingesetzt. Gleichwohl könnte ein neues Szenario eintreten, bevor ein entsprechender Notfallplan erarbeitet werden kann.
Trotz hoher Schutzmechanismen und Sicherheitsstandards schätzen wir den Eintritt der IT-Sicherheitsrisiken als sehr wahrscheinlich ein. Es könnten sich erhebliche negative Auswirkungen ergeben. Die Risiken werden als sehr hoch eingestuft.
Cybercrime – Kundendaten
Unser besonderes Augenmerk gilt dem Schutz von Kundendaten. Auch hier besteht das Risiko einer Gefährdung der Sicherheit dieser Daten durch technische Defekte, Softwarefehler oder organisatorische Fehlleistungen. Dadurch könnten für den Bechtle Konzern Forderungen von Schadenersatz, Strafzahlungen und Imageschäden resultieren. Die jüngsten Fälle von Angriffen ausländischer Gruppen auf IT-Infrastrukturen zeigen, dass es inzwischen weniger um eine Verschlüsselung als vielmehr um eine Exfiltration von Daten geht. Da Bechtle über Zugänge zu Kunden verfügt beziehungsweise in diesem Zusammenhang Dienstleistungen anbietet, könnten Kundendaten durch solche Angriffe gefährdet werden. Hier schätzen wir die Eintrittswahrscheinlichkeit als mittel ein, die Auswirkungen könnten jedoch hoch sein; daher wird dieses Risiko ebenfalls als hoch eingeschätzt.
Abhängigkeit interner IT
In der internen IT von Bechtle besteht das Risiko, dass eine gewisse Abhängigkeit von wenigen Herstellern entsteht. Das könnte sich negativ auf Preisverhandlungen auswirken. Aber auch in technologischer Hinsicht besteht hier ein Risiko, beispielsweise falls ein herstellerseitiges System ausfällt.
Bechtle arbeitet mit allen großen namhaften Herstellern sehr eng zusammen. Trotzdem ist eine gewisse Konzentration vorhanden. Wir schätzen das Risiko als sehr hoch ein. Sein Eintritt ist wahrscheinlich und die Auswirkungen wären hoch.
Finanzrisiken
Risikomanagement
Währungs-, Zins- und Liquiditätsrisiken werden bei Bechtle auf Basis konzernweit geltender Richtlinien aktiv gemanagt. Dabei werden die spezifischen Anforderungen an die organisatorische Trennung der Funktionsbereiche zwischen Abwicklung und Kontrolle beachtet.
Derivative Finanzinstrumente dienen ausschließlich der Sicherung operativer Grundgeschäfte und betriebsnotwendiger Finanztransaktionen in Form von Devisentermingeschäften, Devisenoptionen sowie Devisen- und Zinsswaps.
Das finanzbezogene Risikomanagement ist geprägt durch klare Zuordnungen von Verantwortlichkeiten, zentrale Regeln zur grundlegenden Begrenzung finanzieller Risiken, die bewusste Ausrichtung der eingesetzten Instrumente an den Erfordernissen der Geschäftstätigkeit und die gesonderte Überwachung durch ein zentral gesteuertes Treasury.
Forderungen
Die Bonität unserer Geschäftskunden spielt bei der Betrachtung der künftigen Risikosituation eine wichtige Rolle. Bechtle könnte Risiken durch Forderungsausfälle ausgesetzt sein, weil die Kunden aufgrund unzureichender Finanzierungsmöglichkeiten oder einer für sie ungünstigen konjunkturellen Entwicklung ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr fristgerecht oder nicht vollständig nachkommen können. Dieses Risiko ist allerdings überschaubar, da eine detaillierte Überwachung der Kundenbeziehungen inklusive fortlaufender Bonitätsprüfungen sowie ein proaktives Forderungsmanagement sowohl zentral als auch dezentral entgegenwirken. Diese ersetzen ebenfalls den Abschluss einer Warenkreditversicherung.
Potenzielle Risiken im Zusammenhang mit der Anlage liquiditätsnaher Mittel werden dadurch begrenzt, dass Anlagen ausschließlich im Rahmen festgelegter Limits nur bei Banken sehr guter Bonität erfolgen. Auch der Zahlungsverkehr wird im Wesentlichen nur über Banken mit höchster Bonität abgewickelt.
Zinsen
Ein Zinsänderungsrisiko besteht grundsätzlich bei finanziellen Vermögenswerten und Schulden mit Laufzeiten von über einem Jahr. Die Zinsrisiken des Bechtle Konzerns werden zentral analysiert und Maßnahmen, die sich daraus ergeben, durch das zentrale Finanzwesen aktiv gesteuert. Das Vorgehen wird regelmäßig einer durch das Management festgelegten Überprüfung unterzogen.
Fremdwährungen
Währungsrisiken liegen insbesondere dort vor, wo Forderungen, Schulden, Zahlungsmittel sowie geplante Transaktionen in einer anderen als in der lokalen Währung der Konzernmutter bestehen beziehungsweise entstehen werden. Mit Ausnahme der Schweiz, des Vereinigen Königreichs, Polens, Tschechiens und Ungarns erfolgen Transaktionen überwiegend in den Euroländern und somit auf Eurobasis. Das Fremdwährungsrisiko des Bechtle Konzerns besteht im Wesentlichen im US-Dollar, um Preisvorteile beim Bezug von Waren zu nutzen. Die Absicherung des von den Landesgesellschaften gehaltenen fremdländischen Nettovermögens umfasst seit dem Geschäftsjahr 2018 alle Nicht-Euroländer. Zur Vermeidung des Währungsrisikos in anderen Währungen werden Devisengeschäfte getätigt, wenn Waren bezogen werden oder Kunden sich die Zahlungen in Fremdwährung ausbedungen haben. Bei einmaligen Beträgen mit im Regelfall kurzen Laufzeiten werden diese ökonomischen Sicherungen nicht als Sicherungsbeziehung bilanziert. Bei länger laufenden Projekten und im Regelfall mehreren dazugehörigen Sicherungen werden die Regelungen des IFRS 9 zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen angewendet. Die offenen Devisengeschäfte und die dazugehörigen Forderungen und Verbindlichkeiten werden monatlich analysiert und auf ihre Wirksamkeit überprüft. Trotz der hohen Wirksamkeit dieser laufenden Maßnahmen schätzen wir den Eintritt von Währungsrisiken als nicht unwahrscheinlich ein und würden mit einigen nachteiligen Auswirkungen rechnen. Das Risiko ist ein mittleres Risiko.
Liquidität
Um die uneingeschränkte Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten, muss dem Bechtle Konzern jederzeit ausreichende Liquidität zur Verfügung stehen. Steuerung und Überwachung der Liquiditätssituation erfolgen durch das Treasury. Die aktuelle Finanzlage unseres Unternehmens zum Jahresende 2025 – mit einem Bestand an liquiden Mitteln sowie Geld- und Wertpapieranlagen in Höhe von 452,0 Mio. € (Vorjahr: 716,2 Mio. €) und einem positiven Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit in Höhe von 289,8 Mio. € (Vorjahr: 558,2 Mio. €) – ist sehr solide und äußerst komfortabel. Die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Liquiditätsrisikos ist begrenzt.
Der Bereich Treasury der Bechtle Gruppe stellt die Liquiditätsversorgung für die Konzernbereiche sowie die Tochterunternehmen in Form eines Cashpools oder Intercompany-Darlehens sicher. Darüber hinaus steuert er das Zinsänderungsrisiko und verantwortet die Bewertung, Analyse und Überwachung marktrisikobehafteter Positionen. Der Eintritt von Liquiditätsrisiken wird als unwahrscheinlich eingeschätzt. Moderate nachteilige Auswirkungen auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage können nicht vollständig ausgeschlossen werden. Das Risiko wird als geringes Risiko eingestuft.
Umfeldrisiken
Versicherungen
Bechtle ist bestrebt, nicht vermeidbare Risiken durch den Abschluss entsprechender Versicherungen weitgehend abzudecken. Gerade bei IT-Risiken ist es jedoch nahezu unmöglich geworden, zu vertretbaren Konditionen einen Versicherungsgeber zu finden. Alternative Versicherungsmodelle werden geprüft, lassen sich aufgrund von Regulierung und Komplexität jedoch nicht oder nur schwer umsetzen. Insofern besteht die Gefahr, dass Bechtle wesentliche Risiken nicht entsprechend absichern kann. Dieses Risiko wird aufgrund seiner Ausprägung von uns als hoch eingeschätzt. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist mittel, die möglichen Auswirkungen betrachten wir als erheblich.
